ANTON URAN´S WIDERSTAND

 

Beinahe zeitgleich mit dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen stand für Anton Uran fest: Dieser Herrschaft wollte er nicht dienen. Seinen Freunden, Bekannten und Nachbarn boten sich keineswegs so klare Alternativen wie ihm, denn er verfügte über ein festumrissenes Glaubensbild, das ihm Kraft und Sicherheit vermittelte. Bereits im Winter 1939 hatte er dafür einzustehen. Er wurde einberufen und gelangte nach seiner Dienstverweigerung in einen Strafverlauf, dem er nur noch tot entrinnen konnte.

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Als Anton Uran die Einberufung zur Deutschen Wehrmacht gegen Ende des Jahres 1939 erreichte, befand sich das Deutsche Reich bereits seit mehreren Monaten im Zweiten Weltkrieg. Nach der Annexion Österreichs, der Besetzung der Tschechoslowakei und dem danach folgenden Überfall auf Polen mußte auch einfachen Menschen auf dem Lande die Gefährlichkeit dieser ,,viel umjubelten" deutschen Diktatur bewußt geworden sein.

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Ziviler Ungehorsam verlangt auch Mut, um sich gegen eine persönliche oder unpersönliche Autorität - wie es beispielsweise das nationalsozialistische Netzwerk darstellte - aufzulehnen, denn dieses wurde zunächst mehrheitlich noch von der Bevölkerung unterstützt; sei es aktiv oder aus Gründen der Resignation oder auch nur aus Bequemlichkeit. Um dem sozialen Druck zu widerstehen, der manchmal - wie bei Anton Uran - bis in die eigene Familie und in die dörfliche Umgebung reichte, benötigten sie Selbstvertrauen und eine tiefe Überzeugung.

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Anton Uran war nicht rechtskundig und er konnte kaum abschätzen, wann ihn die nationalsozialistische Kriegsgerichtsbarkeit mit ihrer schärfsten Sanktion - dem Reichskriegsgerichtsverfahren - einholen würde.

Nach der Verordnung über das Sonderstrafrecht im Kriege und bei besonderem Einsatz (Kriegssonderstrafrechts-Verordnung KSSVO) vom 17. August 1938 wurden Verfahren vor Kriegsgerichten jeweils nur in einer Instanz geführt. Das Reichskriegsgericht in Berlin war daher keine Berufungsinstanz. Diesem Gerichtshof waren vor allem ein besonderer Personenkreis (z. B. höhere Offiziere) sowie besondere Fälle vorbehalten. Nach Paragraph 14 Nr. 9 der KSSVO zählte zu den dem Reichs-kriegsgericht vorbehaltenen Fällen auch die ,,Zersetzung der Wehrkraft".